19grams!

Oh, how I miss you, my tiny place of happiness.

Es war einmal, da lebte ich in Berlin und verbrachte meine Kaffeesucht tagsüber mit meiner wundervollen Kollegin GK. Jeden Tag, wenn der Wächter des düsteren Wortakrobatengefängnisses sein wohlverdientes Mittagsschläfchen hielt, strömten wir auf die Straßen von Wilmersdorf, wuselten durch noch so enge Gassen, um den perfekten Espresso zu schlürfen. Meist blieben unsere Streifzüge kaum vom Erfolg gekrönt. Und den Nachmittag sehnten wir uns nach mehr.

Wie gut, dass ich in Mitte wohnte und an den Abenden und am Wochenende musste ich nur vor die Tür blicken, um Kaffee aus Eigenröstung und mit 100% organic milk zu erwerben. Einer meiner liebsten Plätze, ein kleines Café mit großem Ruhm, war nur ein Steinwurf von unserer Wohnung entfernt. Das 19grams in der Chausseestraße. Gerne verbrachte ich dort viele Stunden und aß veganen Schokoladenbrownie. Nicht weil ich so sehr auf vegan stehe, sondern weil 19grams einfach hipp ist und dann gehören die Essgewohnheiten der Berliner Hipster einfach dazu. Aloe Vera Blätter wurden bei meinem letzten Besuch noch nicht serviert.

Dafür aber sehr guter Kaffee aus der eigene Kaffeerösterei von Tres Cabezas; in unterschiedlichen Aromen und Röstgraden und mit Liebe von schusseligen, überfreundlichen und immer lächelnden Barristas zubereitet. Mein All-time-favorite war selbstverständlich ein Latte mit wunderschönen Schwänen und Herzchen drauf.

 

Das Besondere

Das Besondere an 19grams in der Chausseestraße ist eindeutig das Ambiente. Zwischen noch unfertigen Baustellen, einem leerstehenden BND und zwei U-Bahn-Stationen liegt ganz unscheinbar das kleine Hideaway. Derjenige, der für die Inneneinrichtung zuständig war, hat sich wirklich unglaubliche Mühe gegeben. Das 19 grams ist auf zwei Ebenen aufgeteilt mit einer offenen Decke. Während man unten mitten im Treiben sitzt oder an der Fenstertheke warme Sonnenstrahlen einfängt und sein Vitamin-D-Konto füllt, landet man oben im lebendigen Traum eines jeden Greenery-Fans. Auf dem Geländer hängen Monstera und andere Instagram geeignete Pflanzen und versüßen den Blick nach unten. Auf einem Zwischengeschoss gibt es ein Co-Working-Space für kreative Stunden und Kaffee. Oben gibt es kleine Tischchen für traute Zweisamkeit, zwei Lümmelsessel für tiefgründige Diskussionen und ein riesiges Sofa, auf dem angesagte Hauptstadtmamas, leben, leben lassen, arbeiten und neue Ideen in die Welt werfen. Die Atmosphäre ist also unschlagbar und ich vermisse diesen Ort, an dem auch ich schon den ein oder anderen lichten Moment hatte.

 

 

 

 

 

 

 

Was mir nicht so gut gefallen hat

Ja, ja, kaum zu glauben, aber auch dieser Ort, an dem göttlicher Kaffee in Strömen fließt, gibt es weniger gute Aspekte. Ein wichtiger ist die Sprache. Alle Angestellten sprechen sehr gutes Englisch, doch selten gutes Deutsch. Manch einer würde sich nun wundern und fragen, weshalb ich mir Gedanken darüber mache, meinen Kaffee auf englisch zu bestellen. Schließlich ist Berlin international und das ist auch gut so. Da stimme ich voll und ganz zu. Doch die oben bereits erwähnten Baustellen sind aus gutem Grund da. Das Gebiet, in dem sich 19grams befindet, steht kurz vor einem neuen Umbruch. Häuser werden im ehemaligen Todesstreifen hochgezogen, das BND wurde errichtet, aber noch nicht bezogen, neue Höfe mit Wohnungen mit hippen Loftcharakter entstehen genau nebenan und die Schlange, um solch eine Immobilie zu ergattern, wächst und wächst. Und dazwischen? Dazwischen stehen triste Andenken an die 1960er, in denen kleine Familien, Studenten und viele Rentner sich ein Zuhause erschaffen haben. Und eben diese Runter, die eine ganz andere Vergangenheit haben als das internationale Berlin, sind oft bei ihrer Kaffeebestellung einfach aufgeschmissen. Zwar geben sich die jungen Leute vom 19grams größte Mühe, aber nicht jede Grenze kann einfach wegbelächelt werden.

Und es gibt noch etwas bei diesem Café, an das man keine all zu hohen Erwartungen richten sollte. Das Essen. Es ist lecker. Ohne Frage. Aber ich habe schon ein weitaus besseres Poached Egg gegessen, auch einen Carrot Cake. Ich will den kulinarischen Genuss nicht schlecht reden. Man findet bei 19grams eine solide Grundlage, aber in Big B gibt es nun mal noch weitaus bessere Möglichkeiten. Von einer werde ich in Kürze berichten.

Dennoch lohnt sich immer ein Besuch und ein Latte 🙂 Und wenn er euch gefällt: Viele Kaffeesorten gibt es vor Ort zu kaufen!

 

Auf einen Blick:

Preisklasse: €€€
Ambiente: [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“]
Essen: [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart-2″ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart-2″ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart-2″ wrap=“i“]
Kaffee: [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart-2″ wrap=“i“]
Freundlichkeit: [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart“ wrap=“i“] [wp-svg-icons icon=“heart-2″ wrap=“i“]

 

 

 

Ein Kommentar bei „19grams!“

  1. Ach, Frau H., das ist ein super Tipp, den ich mir für den nächsten Besuch in Berlin vormerke – danke!
    Ein sehr schöner Blog übrigens. Ich wusste vorher gar nicht, dass wir sehr ähnliche Vorlieben (aka Kaffee und Literatur) haben 😉 Wenn Sie das nächste Mal in Mannheim sind und Zeit haben sollten, zeige ich Ihnen sehr gerne, wo es hier guten Kaffee gibt. Viele Grüße!

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