Happy New Year!

Ach, was wäre ein neues Jahr ohne unerreichbare Vorsätze – mehr Sport machen, gesünder essen, mehr für sich tun, an der Karriere arbeiten oder einfach mehr lesen. Dieses Jahr hatte ich keine Vorsätze, denn ich war vom letzten so platt, dass ich nicht einmal die Lust verspürte, die Tatsache zu akzeptieren, dass 2017 vor der Tür steht. Na? Wer von euch gehört zu der Fraktion, die es in der Schule kaum fassen konnte, dass man nun oben rechts auf dem Heftrand eine Zwei am Anfang der Jahreszahl schreiben muss? Jemand da? Und? wollt ihr einen Realitätsschock? – DAS IST NUN 17 JAHRE HER!!!

Ich werde jetzt nicht anfangen, mich hier zu fragen, was ich in den letzen 17 Jahren geleistet habe. Das wäre albern, schließlich war ich damals ein kleiner Pups und meine Vorstellung von der Zukunft beschränkte sich auf „Cola trinken, wann man will“. Das mache ich heute nun. Ich trinke Cola, wann ich will – meistens will ich jedoch gar nicht. Dennoch. Bleiben wir positiv: Dieses Ziel habe ich erreicht. Andere Ziele blieben auf der Strecke. Das letzte Jahr war bisher für mich das turbulenteste meines Lebens. Ich habe einen tollen Job, in den ich mich richtig reinknie und für den ich den Großteil meiner Zeit hingebe, und dennoch kam vor einigen Wochen der Moment, in dem ich mich fragte: „Was mache ich hier eigentlich?!“ Nennt es eine vorgezogene Midlife crises, aber diese Frage schwirrt noch immer in meinem Kopf und hat mein komplettes Leben durcheinander gebracht. Eigentlich habe ich die letzten Jahre so viel dafür gemacht, um die Zeit jetzt nach dem Studium zu genießen. Aber ich tue es nicht. Es sind viele Aspekte, die mich unzufrieden machen. Zum Beispiel meine unvollendete Doktorarbeit – für die gab es letztes Jahr nur ganz beschränkte Zeitfenster, die ich dann doch mit unsinnigen YouTube Videos füllen konnte. Oder auch dieser Blog. Diesen Blog habe ich vor mehr als zwei Jahren begonnen, um in einer schwierigen Zeit etwas Schönes zu haben, um meine Leidenschaft für Literatur auszuleben und meine Freude an der digitalen Kommunikation. Und dennoch hemmt mich irgendetwas. Inzwischen ist mein Schreibtisch voller Bücher, die ich gelesen habe und euch vorstellen möchte. Aber etwas hält mich zurück. Ich habe das Gefühl, dieser digitalen Welt nicht gewachsen zu sein. Keine zufriedenstellenden Ergebnisse zu liefern – nicht genug „Likes“ und Klicks zu haben. Also ließ ich die Bücher liegen. Bis jetzt.

Die Weihnachtspause habe ich genutzt um runterzukommen. Ich war in meiner Heimatstadt, konnte ausschlafen und mit meinem inzwischen tauben Hund ausgiebige Spaziergänge unternehmen. Ich traf mich mit Freunden und meistens gab es Kuchen. Bei vielen Gesprächen, die ich führen durfte, kamen meine Dialogpartner oft zur selben Schlussfolgerung: „Du hast ganz schön viel zu tun“. Das wusste ich bereits vorher. Was mir aber auffiel, war diese Formulierung des Zwangs. Also habe ich mich hingesetzt und über Zwang und Druck nachgedacht. Wer zwingt mich, wer macht mir Druck? Ich könnte jetzt sagen, die böse Gesellschaft, die von einer jungen Frau Ende Zwanzig ziemlich viel verlangt. Aber das wäre gemein und unfair. Den Druck mache ich mir nur selbst. Ich zwinge mich zwei bis drei Mal in der Woche, ins Fitness-Studio zu gehen, und habe dann ein schlechtes Gewissen, wenn ich nach einem vollen Arbeitstag „nur“ auf dem Laufband laufen war (im Übrigen kann ich auch nicht viel mehr, Gewichte stemmen ist nicht so meins und an dem Teufelsapparat für Arme lachen mich immer alle aus; ich wurde sogar schon mal gefragt, wie ich es schaffe, meine Einkaufstüten nach Hause zu tragen ). Ich zwinge mich auch die Bettwäsche zu bügeln – kein Mensch braucht gebügelte Bettwäsche. Ich zwinge mich zu so vielem im Leben und dann bin ich unzufrieden, wenn ich es nicht schaffe, wenn mir die Energie fehlt oder etwas dazwischen kommt.

Deswegen habe ich mir zum Vorsatz für mein restliches Leben genommen, mehr Dinge aus Freude zu unternehmen. Seit kurzem besuche ich wieder einen Chor – einfach weil ich Freude daran habe und Musik mich entspannt. Ich habe mir eine Kaffeemaschine mit Kapseln gekauft. Ich hatte mich zuvor gezwungen, Abstand davon zu nehmen, da es eine Umweltverschmutzung ist. Aber wusstet ihr, dass die besagten Kapseln (wir wollen den Hersteller hier nicht nennen) aus Aluminium sind und zu 100% recyclebar. Ja, ich weiß, es wäre toll, gar keinen Müll zu machen. Doch es ist auch ganz schön toll, einen richtig guten Kaffee am Morgen zu trinken – mit Milchschaum (!) – und sich selbst zu sagen, dass das eine Freude ist, die man sich verdient habe. Ich werde dieses Jahr mir auch eine Woche Urlaub nehmen und nicht verreisen. Ich will mich nicht mehr zwingen, um die halbe Welt zu fliegen und dann doch zu müde zu sein, um es richtig zu genießen. Vielleicht verpasse ich dadurch den besten Trip meines Lebens – oder aber ich habe erst dadurch den besten Trip, da ich ihn dann vollkommen genießen kann und mich darauf freue.

So, und was soll die Duselei? Nein, ich werde nicht aufhören zu schreiben, weder über Bücher noch Geschichte, die mir einfallen. Ich werde auch weiterhin meinen Blog betreiben und darauf posten. Doch ich werde versuchen, es aus reiner Freude zu machen und mich nicht unterkriegen zu lassen, wenn mich doch jemand wieder „entliked“, weil es ein paar Wochen still war. Ich habe keinen Neujahrsvorsatz, so und so viele Beiträge zu erschaffen oder eine bestimmte Anzahl von Lesern zu gewinnen. Freude und Leidenschaft sind ohnhin nicht in Zahlen messbar.   Ich habe auch schon weitere Projekte geplant und ich denke, es wird gut. Also bleibt dran, ihr lesefreudigen Alltagsbewältiger. Wir schaffen das!

Eure Ola

P.S.: Wem das jetzt zu gefühlsüberladen war, den muss ich enttäuschen, ich möchte auf meinem Blog persönlicher werden und auch über Sachen schreiben, die mich beschäftigen. Doch einen Trost habe ich: Es wird weiterhin die Buchbesprechungen geben und die bleiben von emotionalen Ausbrüchen verschont…. es sei denn, das Buch ist richtig schlecht… oder gut.

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