c’est moi

Meine Leidenschaft für Literatur war schon immer da. In einer meiner ersten Erinnerungen sehe ich mich und meine vier Jahre ältere Schwester in unserem Kinderzimmer im kleinen Haus im Norden Kasachstans auf dem Bett liegen. Draußen tobt ein Sommergewitter. Die Äste des Apfelbaums werden vom Wind hin und her gewogen und schlagen an das nasse Fenster. Ich drücke mich noch näher an meine Schwester, während sie mir Jules Vernes Die Reise zum Mittelpunkt der Erde vorliest. Ich bin noch viel zu klein und die Buchstaben erscheinen mir wie Zeichen aus einer fremden Welt. Sie ist gerade mal im schulfähigen Alter und ahnt nicht, wie sehr mich die nächsten Stunden prägen werden.

Ich werde das Geschichtenerzählen lieben. Ich werde heimlich üben zu lesen, während sie am Wochenende noch ruhig atmend im Land der Träume verweilt. Ich werde alles lesen, was mir unter die Finger kommt, und anfangen den Aufbau, den Hintergrund, das Motiv eines jeweiligen Werkes zu hinterfragen. Ich werde Kohlhaas lieben und nicht verstehen, warum meine Klassenkammeraden ihn nicht mögen. Ich werde es kaum schaffen, ein Buch nicht zuende zu lesen, egal wie schrecklich es ist. Ich werde mir in meinem Literaturstudium in Stuttgart, Augsburg und München jedes einzelne Werk, was ich benötige, kaufen und in mein Bücherregal stellen. Immer wieder werde ich meine geliebten Bücher durchblättern, sie wie alte Freunde begrüßen und in meinem Leben willkommen heißen, denn sie bereichern mich.

Längst habe ich die Literatur zu meinem Beruf gemacht. Inzwischen lebe ich in der pulsierendsten Stadt Deutschlands – Berlin. Ich arbeite als Lektorin in einem kleinen Berliner Verlag und promoviere gleichzeitig in Literaturwissenschaft, wie könnte es auch anders sein. Doch neben all der „Pflichtlektüre“ habe ich mir hier 2014 einen Raum geschaffen, in dem ich meine Leidenschaft, meine Freude an der Literatur ausleben kann. Hier schreibe ich nicht über das, was ich lesen muss, sondern über das, was ich lesen will. Hier gebe ich der Literatur die Leichtigkeit zurück, die sie bei meinem wissenschaftlichen Arbeiten leider nicht haben darf. Hier traue ich mich auch, selbst Texte zu schreiben und freue mich auf eure Kommentare dazu.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Stöbern und beim Durchreisen all der Welten, die uns Literatur zugänglich macht.

 

Eure Ola